Gaming-Communitys sind Teil des digitalen Alltags. Menschen diskutieren dort gemeinsam, es bilden sich Gemeinschaften und man organisiert sich. Ihre Bedeutung für Demokratie und Zivilgesellschaft im digitalen Raum wurde auch auf der Gamescom 2026 in verschiedenen Formaten aufgegriffen. Im Zentrum steht dabei die Frage: Welche Rolle können Games und ihre Communitys für gesellschaftliche Teilhabe spielen und wie lässt sich dieses Potenzial stärken?
Die Gamescom ist vor allem als Messe für Computerspiele bekannt. In ihrem Kongressprogramm, in Livestreams und Community-Formaten werden jedoch auch gesellschaftspolitische Fragen verhandelt. 2026 ging es unter anderem darum, wie Menschen sich in Gaming-Communitys austauschen und engagieren und welche Bedeutung diese digitalen Räume für gesellschaftliche Teilhabe haben können. Die Bertelsmann Stiftung brachte dazu Forschungsergebnisse und praktische Ansätze ein.
Was die Studie über Gaming und Engagement zeigt
Bei der politischen Eröffnung des Gamescom-Kongresses griff Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in seiner Rede die Studie „Spielräume für Demokratie“ der Bertelsmann Stiftung auf. Die Ergebnisse zeigen: Menschen, die sich stark mit der Gaming-Kultur identifizieren und in der Studie als „Gaming-Enthusiast:innen“ bezeichnet werden, engagieren sich häufiger gesellschaftlich als der Bevölkerungsdurchschnitt. So haben 45 Prozent der Enthusiast:innen in den letzten 12 Monaten an einer Unterschriftensammlung oder Maßnahme zur Bürgerbeteiligung mitgewirkt. 43 Prozent haben zudem in Sozialen Medien zu gesellschaftspolitischen Themen Stellung bezogen, womit sie in beiden Fällen deutlich über dem Bundesdurchschnitt liegen. Zudem identifizieren sie sich den Ergebnissen zufolge stärker mit der Demokratie.
Daraus folgt nicht, dass Gaming gesellschaftliches Engagement verursacht. Die Befunde weisen aber darauf hin, dass Gaming-Communitys relevante digitale Räume für Austausch, Gemeinschaft und Beteiligung sind. Wer über demokratische Teilhabe im digitalen Raum spricht, sollte diese Communitys deshalb stärker berücksichtigen.
Dass die Befunde bei der politischen Eröffnung aufgegriffen wurden, macht zugleich deutlich, dass Gaming inzwischen als relevanter Resonanzraum für gesellschaftspolitische Erfahrungen und Diskussionen wahrgenommen wird.
Ergebnisse der Studie werden weiter aufgegriffen
Auch abseits der Eröffnungsrede war die Studie „Spielräume für Demokratie“ aus dem Jahr 2025 auf dem Kongress präsent: Ihre Befunde wurden auf mehreren Panels aufgegriffen und diskutiert. Unter dem Motto „Spiele-Communitys als Orte demokratischer Praxis stärken“ stellte Prof. Jeffrey Wimmer (Universität Augsburg) in seiner Keynote-Speech aktuelle Forschungsvorhaben vor, die auf den Kernergebnissen der Studiebasieren und sie weiterdenken. Auch im Diskurs um Präventionsarbeit (Panel: Leveling up for Resilience – Gemeinsame Guide Lines gegen Radikalisierung) zeigte sich, dass der verwendete Begriff „Gaming-Enthusiast:innen“, also jene Gruppen, die sich besonders stark mit Gaming und Gaming-Kultur identifizieren, Einzug in etablierte Forschung gefunden hat und künftig eine gezieltere Ansprache von Subgruppen in Gaming Communitys besser ermöglichen wird.
Von der Forschung zur Gestaltung digitaler Räume
Aus den Forschungsbefunden ergibt sich eine praktische Frage: Wie können Gaming-Communitys als digitale Räume unterstützt und weiter ausgestaltet werden, damit Austausch und gesellschaftliches Engagement dort noch besser möglich werden?
Drei Jahre lang haben wir diese Frage in explorativen Roundtables mit Akteur:innen aus Community und Politik diskutiert, unterschiedliche Perspektiven zusammengeführt und erste Ansätze erprobt.
Auf der Gamescom 2026 haben wir gemeinsam mit der Stiftung Digitale Spielekultur, der Akademie für Innovative Bildung und Management (aim) und der Bundeszentrale für politische Bildung nun die Initiative Gaming for Democracy (G4D) vorgestellt. Sie schafft einen gemeinsamen Rahmen für Wissen, Austausch und neue Ansätze an der SchnittstelleAPI (Application Programming Interface) Eine Schnittstelle, die es verschiedenen Softwareanwendungen ermöglicht, miteinander zu kommunizieren und Daten auszutauschen. APIs definieren, wie Anfragen und Antworten zwischen Programmen strukturiert sein sollten. von Gaming, digitalen Lebenswelten und Demokratie.

G4D setzt an vier Punkten an: Community, Engagement, Bildung und Vernetzung. Die erste Jahrestagung der Initiative findet am 1. und 2. Dezember in Heilbronn statt. Weitere Informationen zur Initiative und zur Tagung finden sich auf der G4D-Website: https://gamingfordemocracy.de/.
Unterschiedliche Zugänge zu Gaming-Communitys
Wie unterschiedlich die Zugänge zu Gaming-Communitys sein können, zeigten zwei weitere Formate.
In einem Roundtableformat unter dem Titel „Positiv-politische Kampagnen mit Games?“, organisiert von der Initiative Fair Play Democracy, diskutierte Marek Wallenfels (Bertelsmann Stiftung) mit Akteur:innen aus Gaming und politischer Kommunikation. Leitfragen waren u.a.: Welche Rolle können Games im politischen Diskurs spielen und wie nutzt man sie richtig, um gesellschaftspolitische Diskurse anzustoßen?
Aber auch im Rahmen von Live Streaming Events konnten gesellschaftspolitische Themen gesetzt werden. Games Done Quick (GDQ) gastierte 2026 erstmals auf der Gamescom in Deutschland. Die Speedrunning-Community sammelt bei ihren Marathon-Events Spenden für gemeinnützige Zwecke und unterstützte in diesem Jahr Gaming for Democracy. Joachim Rother stellte die Initiative im Livestream auf der Plattform und auf der GDQ-Bühne vor.
Die Beispiele zeigen, dass gesellschaftspolitische Themen über sehr unterschiedliche Formate, von Gaming bis klassischen Roundtable Formaten in den Communitys platziert werden können.
Die nächsten Schritte
Wenige Erkenntnisse gibt es derzeit dazu, welche Akteur:innen den Austausch, die Meinungsbildung und die Umgangsformen in Gaming-Communitys besonders prägen. Eine besondere Rolle kommt dabei wahrscheinlich Content Creator:innen zu, denen sich eine neue Studie der Bertelsmann Stiftung widmen wird. Die Ergebnisse rund um die konkrete Rolle von Content Creator:innen im digitalen Raum und die Frage, unter welchen Bedingungen sie den Diskursraum in ihren Communitys und darüber hinaus mitgestalten, werden Ende Oktober anlässlich der VideoDays veröffentlicht.
Die konkreten Befunde sollen eine Grundlage für weitere praktische Formate bilden. Die nächste Gelegenheit zum Austausch bietet die erste Jahrestagung von Gaming for Democracy am 1. und 2. Dezember in Heilbronn. Dort kommen Perspektiven aus Gaming-Community, Wissenschaft, Zivilgesellschaft und politischer Bildung zusammen.
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