Eine neue Studie untersucht, wie Unternehmen mit KI Wert schaffen und ob sie dafür führende proprietäre Modelle benötigen. Die Ergebnisse aus der Softwareentwicklung, dem Privatkundengeschäft von Banken und dem Private-Equity-Sektor zeigen eine Chance für Europa: Für viele wirtschaftlich relevante Anwendungen können Unternehmen leistungsfähige Open-Weight-Modelle zu deutlich niedrigeren Preisen nutzen.
Europas KI-Strategie hat sich stark auf den Ausbau von Rechenkapazitäten und die Entwicklung leistungsfähiger Modelle konzentriert. Dabei bleiben Fragen auf der Nachfrageseite häufig offen: Wie lässt sich mit KI Wert schaffen? Welche Fähigkeiten sind dafür erforderlich?
Unsere neue Studie, die wir mit Unterstützung des Think Tanks Leitmotiv erstellt haben, geht diesen Fragen in drei Bereichen nach: Softwareentwicklung, Privatkundengeschäft von Banken und Private Equity.
Auf Grundlage von Literaturrecherchen und Interviews unterscheiden wir zwei Mechanismen der Wertschöpfung. Kostenvorteile entstehen, wenn KI den Ressourcenaufwand für eine Tätigkeit reduziert, etwa durch kürzere Bearbeitungszeiten oder weniger Fehler. Differenzierung entsteht, wenn KI Produkte oder Dienstleistungen so verbessert, dass Kunden bereit sind, mehr dafür zu bezahlen, beispielsweise durch höhere Qualität oder zusätzliche Funktionen.
Kostenvorteile liefern die deutlichsten Belege für Wertschöpfung durch KI
In den drei untersuchten Bereichen sind Kostenvorteile deutlich besser belegt als Differenzierung. In der Softwareentwicklung und im Private-Equity-Sektor steigert KI die Produktivität, indem sie den Zeitaufwand für Programmierung, Recherche, Screening und andere wiederkehrende Tätigkeiten verringert. Im Privatkundengeschäft von Banken könnte die Automatisierung von Routinevorgängen im Kundenkontakt dazu beitragen, die Servicekosten zu senken.
Dagegen gibt es bislang nur wenige Belege dafür, dass Unternehmen durch KI höhere Preise verlangen oder sich dauerhaft vom Wettbewerb abheben können.
Differenzierung könnte allerdings das größere strategische Potenzial bieten. Verbessert KI Produkte und Dienstleistungen so, dass Kunden ihnen einen höheren Wert beimessen, könnten Unternehmen höhere Preise verlangen und möglicherweise zusätzliche Nachfrage erschließen. Die untersuchten Fälle deuten auf dieses Potenzial hin, liefern aber bislang nur wenige Belege dafür, dass es bereits realisiert wurde.
Open-Weight-Modelle bieten vergleichbare Leistung zu niedrigeren Preisen
Welche Fähigkeiten ein Modell mitbringen muss, hängt von den jeweiligen Aufgaben im Unternehmen ab. Die ausgewerteten Benchmarks zeigen, dass führende Open-Weight-Modelle bei Aufgaben aus der Softwareentwicklung, dem Kundenservice von Banken und der Finanzanalyse nahe an die Leistung führender proprietärer Modelle heranreichen. Diese Ergebnisse legen nahe, dass sie für die untersuchten Anwendungen als Alternative infrage kommen.
Auch die Nutzungspreise der ausgewählten Open-Weight-Modelle sind deutlich niedriger. In der Softwareentwicklung und der Finanzanalyse kosten führende Open-Weight-Alternativen pro ausgegebenem Token weniger als ein Zehntel dessen, was für die leistungsfähigsten proprietären Modelle verlangt wird.
Für Europa sind Open-Weight-Modelle besonders wichtig, weil sie Unternehmen helfen können, einen größeren Teil des mit KI geschaffenen Werts zu behalten. Bieten diese Modelle die benötigte Leistung zu niedrigeren Inferenzpreisen, können europäische Unternehmen bei der Modellnutzung sparen. Dadurch verbleibt ein größerer Anteil des durch höhere Produktivität geschaffenen Werts bei ihnen.
Open-Weight-Modelle können auch den Wettbewerb zwischen Anbietern von KI-Inferenz stärken. Wenn die Lizenzen den Betrieb durch unabhängige Anbieter erlauben, können mehrere Anbieter dasselbe Modell bereitstellen. Das eröffnet Chancen für europäische Cloud- und Inferenzanbieter sowie für Anwendungsentwickler. Unternehmen erhalten dadurch eine größere Auswahl an Anbietern und mehr Kontrolle darüber, wie Modelle angepasst und eingesetzt werden.
Die langfristige Verfügbarkeit von Open-Weight-Modellen liegt im wirtschaftlichen Interesse Europas
Die derzeitige Kombination aus leistungsfähigen Modellen, niedrigen Preisen und der Bereitstellung durch viele Inferenzanbieter muss nicht dauerhaft bestehen bleiben. Die Einnahmen der Inferenzanbieter finanzieren nicht automatisch die Entwicklung der Modelle, die sie bereitstellen. Modellentwickler, die Einnahmen erzielen wollen, könnten die Lizenzbedingungen für die kommerzielle Nutzung verschärfen und den Betrieb durch unabhängige Anbieter einschränken. Eine unzureichende Finanzierung könnte zudem die künftige Verfügbarkeit leistungsfähiger Open-Weight-Modelle beeinträchtigen.
Die dauerhafte breite Verfügbarkeit von Open-Weight-Modellen zu sichern, sollte daher für die europäische Politik Priorität haben. Dazu gehören der fortgesetzte Zugang zu leistungsfähigen Open-Weight-Modellen unter Lizenzen, die eine kommerzielle Nutzung erlauben, Wettbewerb zwischen Inferenzanbietern und eine ausreichende Finanzierung der künftigen Entwicklung offener Modelle. Ob die derzeitigen Finanzierungs- und Erlösmodelle diese Marktstruktur dauerhaft tragen können, bleibt eine offene Frage, der wir in einer kommenden Studie nachgehen.
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