77 Prozent der Menschen in Deutschland sehen soziale Medien als Instrument politischer Einflussnahme – trotzdem wollen oder können die wenigsten auf sie verzichten. Genau dieser Widerspruch prägt die Ergebnisse unserer neuen Studie. Sie zeigt: Das Bewusstsein für die Macht großer Plattformen ist hoch. Gleichzeitig gehören sie für viele längst zum Alltag.
Für die Studie haben wir gemeinsam mit Pollytix und Agora Digitale Transformation zwischen Dezember 2025 und Februar 2026 Menschen in Deutschland zu ihrer Wahrnehmung großer Social-Media-Plattformen befragt. Die Ergebnisse zeichnen ein klares Bild: Plattformen werden zunehmend als politische Akteure wahrgenommen, während viele Menschen ihre eigene Abhängigkeit von ihnen als kaum vermeidbar erleben.
Soziale Medien sind längst politische Akteure
Die Ergebnisse der Studie machen deutlich, dass soziale Medien heute nicht mehr nur als Orte des Austauschs wahrgenommen werden. 77 Prozent der Befragten sehen Plattformen als Instrument politischer Einflussnahme. Gleichzeitig äußern 71 Prozent die Sorge, dass große Plattformunternehmen zu viel Einfluss auf die öffentliche Meinungsbildung haben. Trotz dieser Bedenken wollen oder können nur wenige Menschen vollständig auf soziale Medien verzichten. Für viele sind sie inzwischen zu einer unverzichtbaren Infrastruktur des täglichen Lebens geworden.
Bewusstsein für Risiken ist vorhanden
Bemerkenswert ist, dass die Risiken sozialer Medien der Bevölkerung durchaus bewusst sind. Desinformation, Hassrede und Datenschutzprobleme werden von den meisten Befragten klar erkannt. Trotzdem geben 73 Prozent an, sich hiermit arrangiert zu haben und die Plattformen weiterhin regelmäßig zu nutzen. Die Studie zeigt damit, dass das Problem nicht mangelndes Wissen ist, sondern in der starken gesellschaftlichen Abhängigkeit von digitalen Plattformen liegt.
Die Erwartungen an Politik und Plattformen sind eindeutig
Die Bevölkerung sieht die Verantwortung für den Umgang mit Plattformmacht vor allem bei den Plattformunternehmen selbst und bei politischen Institutionen. Die Mehrheit wünscht sich eine konsequentere Durchsetzung bestehender Regeln. So unterstützen 85 Prozent der Befragten höhere Geldstrafen für Plattformen, die gegen geltendes Recht verstoßen. Bei wiederholten Rechtsverletzungen befürworten viele sogar weitergehende Maßnahmen bis hin zu Verboten oder Sperrungen von Plattformen.

Digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung
Die Studie zeigt außerdem: Plattformpolitik wird zunehmend als Frage demokratischer und digitaler Souveränität verstanden wird. 78 Prozent der Befragten wünschen sich ein selbstbewussteres Vorgehen Deutschlands und der Europäischen Union gegenüber großen Technologiekonzernen. Gleichzeitig halten 71 Prozent europäische Plattformalternativen für wichtig. Damit verbindet die Bevölkerung die Erwartung, dass Europa digitale Abhängigkeiten reduziert und eigene, vertrauenswürdige Angebote stärkt.
Zwischen Regulierung und Alltag
Die Ergebnisse zeigen, dass es kein grundsätzliches Akzeptanzproblem gegenüber Regulierung gibt. Vielmehr erwarten die Menschen, dass bestehende Gesetze wirksam durchgesetzt werden und Plattformunternehmen ihrer Verantwortung nachkommen. Die Debatte um Plattformmacht entwickelt sich damit zunehmend zu einer Frage demokratischer Handlungsfähigkeit.
Das Bewusstsein für die Macht großer Plattformen ist hoch. Gleichzeitig sind soziale Medien für viele Menschen so tief im Alltag verankert, dass ein Verzicht kaum als realistische Option erscheint. Genau in diesem Spannungsfeld wird sich die Plattformpolitik der kommenden Jahre befinden. Entscheidend wird sein, wie Politik und Aufsichtsbehörden bestehende Regelungen konsequent anwenden und gleichzeitig Rahmenbedingungen schaffen, die Vertrauen, digitale Souveränität und Innovation miteinander verbinden.
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